Geschichte bis 1963

Die Jahre 1959 und 1960

Die steile Aufwärtstendenz geht weiter.

Die sich ständig steigernden Exportzahlen steigen so weit, daß bei Borgward 63,5% exportiert werden. Die neuentwickelte "Lloyd Arabella" geht in Serie, 1960 der "Große Borgward 2.3 l". Da Arabella anfangs nicht frei von Mängeln war (Neukonstruktion!!), wurde sie zu einem Verlustgeschäft, das jedoch dem Borgward-Konzern nicht viel anhaben konnte, denn ev. Kredite waren allein an Grundbesitz (650.000 qm!) mehr als nur abgesichert. Wir befinden uns nun also im Jahre 1960, das durchaus nicht schlecht begann. Im Herbst 1960 mußten aufgrund der Arabella-Affäre Kredite für Llyod beschafft werden.

So geschah es auch. Alles wäre in Ordnung gewesen, wäre nicht Ende 1960 eine große Wirschaftsrezession auf Borgward eingestürmt, die besonders im Export ernste Verlust nach sich zog. Doch es bestand noch keine echte Gefahr für den Konzern.

Die Gefahren verstärken sich

Ende 1960 stand die Lage zwar nicht nach Wunsch, aber nicht bedrohlich, obwohl auch die Inlandsumsätze nachgelassen hatten. Borgward wollte sein Werk sogar vergrößern! Im Winter sinken die Umsätze überall in der Automobilindustrie, und Borgward, ein sozialer Arbeitgeber, lehnte Entlassungen ab und nahm - es mußte eben einmal sein - Kredite zur Überbrückung und Beschäftigungsgarantie auf, wovon jeder Pfennig abgesichert war. Die Banken verlangten eine Senatsbürgschaft. Sie kam. So ging das Jahr 1960 zu Ende.

Der "Big Boss" wird erledigt

Anfang 1961 war die Winterkrise noch nicht überwunden. Der Kredit für Februar wurde Borgward überraschend gesperrt: 10 Mio. Mark. Man hatte ohne irgendwelche Hintergründe von einer bevorstehenden Pleite gesprochen! Allen voran natürlich die BILD-Zeitung, die unbestätigtes Blabla oft als Tatsache nimmt, aber auch die sonst reelle Tagesschau. (30.1.1961) Borgward hat davon nichts gewußt. Man verlangt, daß er gehen soll. Und jetzt kommt ein Fehler unseres Firmenchefs: Die Unterzeichnung der "entschädigungslosen (!!!) Abtretung der Werke an den Bremer Senat". Halt. So darf man das nicht sehen, man muß die Umstände kennen: Eine Verhandlung von morgens früh bis 23.30 Uhr, der der 70-jährige Carl Borgward nicht mehr richtig folgen konnte. Er glaubt, das beste für seine Werke zu tun, lieferte sie aber nur deren Henkern aus, die ihm pausenlos Vorwürfe machten. Auch hier gilt sein Gedanke nur den Automobilen. Aus. Dr. Borgward ist erledigt. Wie kam das? Warum? Der Bremer Senat hatte einen Wirtschaftsprüfer engagiert mit Namen "Dr." Johannes Semler, der aber gleichzeitig - man stelle ich vor! - Aufsichtsratsvorsitzender von BMW war! Wie der Bericht dieses Mannes ausfiel, kann man sich denken. 2 Wochen später bezeichnete er den Borgward-Komplex als "ungewöhnlich gesund", doch der Ruf und Dr. Borgward waren erledigt. Semlers Führungsmaßnahmen taugten nicht die Tinte, mit der sie geschrieben wurden, "Sanierung" schimpfte sich das. Es war eine lächerliche Parodie, die sich kaum den Anschein einer Sanierung gab. Dafür erhielt dieser "Dr." Semler 250.000 Mark. 1961. In München konnte man sich die Hände reiben. Dasselbe galt für den "Aufsichtsrat" in dem kein Fachmann saß.

Das Ende

Ob die Sanierung jemals ernst gemeint war, ist zu bezweifeln. Keiner half Borgward. Ford und Opel hätten einfach die Rechnung nach Dearborn oder Detroit gesandt, doch Borgward hatte diese Möglichkeit nicht. Verschiedene Werkstätten und Vertretungen versuchten, den Senat zur Rechenschaft zu ziehen, doch ohne Erfolg; das eingeleitete Konkursverfahren ließ sich nicht mehr aufhalten. Der war weg. BMW und der Senat konnten sich den Brüderschaftskuß geben. Ein Angebot von Borgward-Händlern, für 37,5 Mio. Mark Fahrzeuge zu übernehmen, wurde gar nicht erst beachtet. Und an 10 Mio. hatte es gelegen! Auch andere hatten sich damals noch eingemischt, doch die Rollen sind undurchsichtig. Ich will von Tatsachen und nicht von Vermutungen schreiben. Alle bekamen jedenfalls nach dem Konkurs ihr Geld. Alles! Das Verhalten der Bremer Senatoren Nolting-Hauff und Eggers spottet jeglicher Logik. 23.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Immerhin 20% aller Bremer Industriearbeitsplätze.

Die Werke wurden verkauft, die Einrichtung demontiert. Während der Demontage erlitt Carl Borgwar eine Herzattacke, die er nicht überlebte. (28. Juli 1963)

Man hatte seine Arbeit aus 40 Jahren, sein Leben zerstört, und damit auch ihn. Ich glaube, jeder andere hätte - an seiner Stelle - dasselbe Schicksal erlitten. Was für ein Ende für einen der größten deutschen Ingenieure!

 

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